Historisches Ingolstadt
      
Ingolstadt

In der bayerischen Geschichte nimmt Ingolstadt einen stolzen Rang ein: Herzogstadt, Universitätsstadt, Landesfestung und Industriezentrum.

Die Zeugen der Vergangenheit sind überall im Bild der Altstadt gegenwärtig. Das genaue Entstehungsdatum der Siedlung Ingolstadt bleibt im Dunkel der Geschichte. Fest steht aber, dass das heutige Stadtgebiet auf uraltem Siedlungsland liegt.


Ingolstadt - Die Historie



Um 15 vor Christus kamen die römischen Legionen unter ihrem Heerführer Drusus und Tiberius über die Alpen und unterwarfen das Land nördlich des Gebirges bis zur Donau.

Gegen Ende des 4. Jahrhunderts nahmen die germanischen Einfälle in das römisch beherrschte Gebiet zu. Die Grenze musste an die Donau zurückgenommen werden.
Aber auch diese Grenze konnten die Römer auf Dauer nicht halten. In der Mitte des 5. Jahrhunderts zogen sie sich über die Alpen zurück. Das ehemals römische Reich war zwar nicht herrenlos, muss aber recht dünn besiedelt gewesen sein.


Im 6. Jahrhundert wanderten die Bajuwaren ein. Sie nahmen von dem Gebiet nördlich der Alpen bis zur Donau Besitz. Hier breitet sich das Stammesherzogtum der Agilolfinger aus. Zu den frühen bayerischen Siedlungen gehörte auch Ingolstadt.

In einer Teilungsurkunde aus dem Jahr 806, in der Karl der Große für den Fall seines Todes über Bayern und den Nordgau verfügt, ist ausdrücklich von dem an der Grenze dieser beiden Bereiche gelegenen Kammergut "Ingoldesstat" die Rede.



841 schenkte König Ludwig der Deutsche den Königshof mit zwei Königskirchen der Benediktabtei Niederaltaich. Ältestes Dokument der künstlerischen Kultur aus dieser Zeit ist ein aus Ingolstadt stammendes karolingisches Prachtevangeliar, das jetzt in der Münchner Universitätsbibliothek aufbewahrt wird. Die früheste Marktsiedlung lag wohl am südwestlichen Eck des heutigen Altstadtkerns am Ufer der Schutter.
Mit der Übernahme der Schirmherrschaft über das Kloster Niederaltaich durch die Wittelsbacher kam Ingolstadt in den Besitz der bayrischen Herzöge.



Die Siedlung war bereits wenig später (ca. 1250) mit den Stadtrechten ausgezeichnet. Unter den Wittelsbachern erlebte Ingolstadt seinen ersten großen Aufschwung. Die Stadt im Schnittpunkt der Straßen München-Eichstätt und Regensburg-Donauwörth wurde befestigt. Der Siedlungskern erhielt die typische wittelsbachischen Stadtgründungen. Die älteste Stadtkirche wurde 1234 den heiligen Mauritius (St. Moritz) geweiht, dem Schutzpatron von Niederaltaich.


Ingolstadt - Kulturgeschichte


Die Stadt war stets ein wirtschaftlicher und militärischer Mittelpunkt, aber auch ihre kulturellen Leistungen hatten starke Ausstrahlungskraft. In der Epoche des selbständigen Herzogtums Bayern - Ingolstadt (1392-1447) war sie Sitz einer höfischen Kultur. Der so genannte Herzogkasten mit seinen steilen Treppengiebeln blieb von der ersten Herzogsburg des 13.Jahrhunderts erhalten.
Mit dem Neuen Schloss (Baubeginn 1418) wollte sich Herzog Ludwig der Gebarte eine Residenz für sein Ingolstädter Herzogtum schaffen. Es ist einer der eigenwilligsten Profanbauten Süddeutschlands geworden, indem heute das Bayerische Armeemuseum untergebracht ist.

Das "Tor zum Heiligen Kreuz" kurz Kreuztor genannt, ist das schönste der einstigen Stadttore aus dem Mittelalter, und das älteste Stadttor in Bayern. Bereits 1385 erbaut, blieb es unverfälscht erhalten.
Auch das gotische Liebfrauenmünster (Baubeginn 1425) ist ursprünglich überkommen, und gehört zu den mächtigsten Hallenkirchen Deutschlands.

Über dreihundert Jahre lang, von 1472 bis 1800 war die Geschichte der Stadt von der Universität beeinflusst. Diese erste bayerische Universität hatte ihren Sitz im hochgiebeligen Pfründerhaus (erbaut 1434). Man nannte sie die Hohe Schule.
Die medizinische Fakultät der Hohen Schule erhielt mit der so genannten Anatomie eine eigene Forschungsstätte. Dieses Barockgebäude wurde 1723 - 1735 erbaut und beherbergt heute das "Deutsche Medizinhistorische Museum".
Den Höhepunkt der Barockperiode in Ingolstadt bildet die Asamkirche Maria de Viktoria. Sie wurde durch die Gebrüder Asam 1732-1736 errichtet. Das nahezu 600 qm große Deckenfresko ist ohne Vorbild und Vergleich.


Ingolstadt - Militärgeschichte


Ingolstadt hatte seit jeher den ruf einer Garnisonstadt, und besaß seit dem 13. Jahrhundert eine respektable Stadtbefestigung.

Der Mauergürtel aus dem 13.Jahrhundert ist zwar bis auf sein Hauptgebäude, den "Herzogkasten" verschwunden, von der Mauer des 14. und 15. Jahrhunderts stehen jedoch noch große Partien mit mehr als 40 halbrunden Türmen und fünf Torbauten (Kreuztor, Feldkirchner Tor, Taschenturm, Münzbergtor, Tränktor).

Der dritte Befestigungsring, die "Renaissancefestung" von 1538-1549, widerstand den Angriff König Gustav von Schweden in Jahre 1632, musste jedoch im laufe der napoleonischen Kriege 1800 abgetragen werden.



Unter König Ludwig I. entstand von 1828-1840 die "Bayerische Landesfestung Ingolstadt", an deren Gestaltung der klassizistische Architekt Leo von Klenze mitwirkte.



Nach dem strategischen Konzept des Generals Heydeck wurde ein vieleckiges Wall-, Graben- und Rampensystem mit "Kavalieren", Türmen und "Reduits" (Rückzugswerken) aus meterdicken Mauern rings um den Stadtkern angelegt.

Im Laufe des 20 Jahrhunderts wurden diese Stadtbastionen, auch unter Anordnung der Besatzungsmacht bis auf einige Reste beseitigt. Anstelle des Befestigungsringes und des Schussfeldes (Glacis) umzieht nun ein Park- und Weihergürtel die Altstadt.


Ingolstadt - Industriegeschichte

Schon nach dem 1. Weltkrieg waren aus der königlichen Geschützfabrik und dem Hauptlaboratorium zivile Fabriken geworden, die den Grundstock für den Wandel zur Industriestadt legten.
Nach 1945 verlegte die sächsische Spinnereimaschinenfabrik Schubert und Salzer ihren Hauptsitz aus Chemnitz nach Ingolstadt. Der Schweizer Textilmaschinenkonzern Rieter übernahm 1987 den Betrieb.


Zum größten Arbeitgeber wuchs die Audi AG heran, die nach dem Krieg die Automobilproduktion in Ingolstadt wiederaufnahm und heute ca. 25.000 Menschen ihren Arbeitsplatz sichert.

In der 60er Jahren wurde Ingolstadt zum Zentrum der Energiewirtschaft in Bayern. Zwei Pipelines bringen Öl von den italienischen Häfen nach Ingolstadt und Umgebung, wo vier Raffinerien, Kraftwerke- und Petrochemische Betriebe angesiedelt wurden.

Eine wichtige Rolle spielt in Ingolstadt auch die Elektro- und Bekleidungsindustrie. Die zentrale Lage in Bayern, die gute Anbindung an das Verkehrsnetz, ein großes Reservoir an Arbeitskräften und Platz für die Aussiedlung von Betrieben sind die Pluspunkte, die Ingolstadt anbieten kann.

Im Jahre 1995 ging in Ingolstadt das erste Güterverkehrszentrum in Bayern in Betrieb.